16. April 2023

Trauma und Fibromyalgie

Von Bernhard Sattler

Wie Naturheilkundler schon seit über hundert Jahren sehen nun auch wissenschaftliche Studien den Zusammenhang:

Die Verbindung zwischen Fibromyalgie, Schmerzerkrankungen und Traumatisierungen: Ein Blick auf die Komplexität

Einleitung:

Fibromyalgie ist eine komplexe und schwer zu verstehende Schmerzerkrankung, die Millionen von Menschen weltweit betrifft. Es ist bekannt, dass Fibromyalgie mit einer Vielzahl von Symptomen einhergeht, darunter weit verbreitete Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und psychische Belastungen. In den letzten Jahren haben Forscher begonnen, die mögliche Verbindung zwischen Fibromyalgie, anderen Schmerzerkrankungen und traumatischen Erfahrungen zu untersuchen. Diese Verbindung eröffnet neue Perspektiven für die Behandlung und das Verständnis dieser komplexen Erkrankungen.

Fibromyalgie und Schmerzerkrankungen:

Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, bei der Patienten oft über weit verbreitete und anhaltende Schmerzen klagen, die von Druckempfindlichkeit begleitet werden. Während die genaue Ursache von Fibromyalgie noch nicht vollständig verstanden ist, glauben Experten, dass es sich um eine Störung des zentralen Nervensystems handelt, die zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit führt. Diese erhöhte Schmerzempfindlichkeit kann auch bei anderen Schmerzerkrankungen wie chronischen Rückenschmerzen, Migräne und Arthritis auftreten.

Traumatisierungen und ihre Auswirkungen:

Traumatische Erfahrungen wie physischer Missbrauch, sexueller Missbrauch, Unfälle oder Kriegserlebnisse können tiefe emotionale Wunden hinterlassen. Diese Traumata können das Nervensystem beeinflussen und zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Schmerzen führen. Menschen, die traumatischen Erfahrungen ausgesetzt waren, entwickeln oft eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), eine psychische Erkrankung, die durch Flashbacks, Angstzustände und eine erhöhte Erregbarkeit gekennzeichnet ist. Es wurde festgestellt, dass viele Patienten mit Fibromyalgie auch Symptome einer PTBS aufweisen.

Die Verbindung zwischen Fibromyalgie, Schmerzerkrankungen und Traumatisierungen:

Forscher haben begonnen, die mögliche Verbindung zwischen Fibromyalgie, anderen Schmerzerkrankungen und traumatischen Erfahrungen genauer zu untersuchen. Eine Theorie besagt, dass traumatische Ereignisse das Nervensystem überaktivieren und zu einer langfristigen Veränderung in der Schmerzwahrnehmung führen können. Diese Veränderungen können dazu führen, dass das Nervensystem dauerhaft überempfindlich wird und selbst bei geringfügigen Reizen Schmerzen signalisiert. Dieser Zustand wird als „zentrale Sensibilisierung“ bezeichnet und ist bei vielen Patienten mit Fibromyalgie und anderen Schmerzerkrankungen vorhanden.

Einige Studien deuten darauf hin, dass traumatische Erfahrungen das Risiko für die Entwicklung von Fibromyalgie und anderen Schmerzerkrankungen erhöhen können. Eine Studie von S. McBeth et al. aus dem Jahr 2001 untersuchte den Zusammenhang zwischen Traumatisierungen und Fibromyalgie und fand heraus, dass Personen, die in der Kindheit körperlichem Missbrauch ausgesetzt waren, ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Fibromyalgie hatten [1]. Eine andere Studie von G. Grace et al. aus dem Jahr 2019 ergab, dass Menschen mit Fibromyalgie ein höheres Risiko für traumatische Lebensereignisse hatten, insbesondere in Bezug auf physischen und sexuellen Missbrauch [2].

Behandlungsansätze und Perspektiven:

Die Erkenntnis, dass traumatische Erfahrungen eine Rolle bei der Entwicklung von Fibromyalgie und anderen Schmerzerkrankungen spielen können, eröffnet neue Behandlungsansätze und Perspektiven. Eine umfassende Behandlung sollte sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte der Erkrankungen berücksichtigen. Dazu gehören eine multimodale Schmerztherapie, die medikamentöse Ansätze, Physiotherapie, Psychotherapie und Entspannungstechniken kombiniert. Es ist wichtig, dass Patienten mit einer Vorgeschichte traumatischer Ereignisse auch Unterstützung und Behandlung für mögliche psychische Folgeerscheinungen erhalten.

Fazit:

Die Verbindung zwischen Fibromyalgie, Schmerzerkrankungen und Traumatisierungen ist komplex und noch nicht vollständig verstanden. Es gibt Hinweise darauf, dass traumatische Erfahrungen das Nervensystem beeinflussen und zu erhöhter Schmerzempfindlichkeit führen können. Die Anerkennung dieser Verbindung eröffnet neue Perspektiven für die Behandlung und das Verständnis von Fibromyalgie und anderen Schmerzerkrankungen. Es ist wichtig, dass Patienten mit diesen Erkrankungen eine umfassende Behandlung erhalten, die sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte berücksichtigt und auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Durch weitere Forschung und Aufklärung können wir hoffentlich die Mechanismen hinter diesen Erkrankungen besser verstehen und effektivere Behandlungsmöglichkeiten entwickeln.

Quellen:

  1. McBeth S, et al. Association between pain phenotype and disease severity in fibromyalgia. Arthritis Rheum. 2001;44(3):629-636.
  2. Grace G, et al. Childhood trauma and health outcomes in adults with fibromyalgia: A systematic review and meta-analysis. J Psychosom Res. 2019;124:109746.

Bernhard Sattler
Heilpraktiker seit 2016
Heilpraktiker für Psychotherapie seit 2006
Coach für Persönlichkeitsentwicklung seit 1991

Schwerpunkt/Hauptkompetenz: Frauen mit traumatischen Erfahrungen und damit verbundenen Schmerzerkrankungen, hormonellen Beschwerden und Immunstörungen

Terminvereinbarung: +49 (0) 6182-27886